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PERMA-Lead® im Rechtswesen
Aktenberge, die trotz E-Akte nicht kleiner werden. Massenverfahren, die Dezernate blockieren.
Ein Generationenwechsel in den Kanzleien, dazu der Fachkräftemangel auf den Geschäftsstellen.
Der Druck auf die Rechtsbranche ist real; und zwar überall. Klassische, rein hierarchische Führung stößt an ihre Grenzen.
Unsere Antwort darauf ist nicht weichere Führung, sondern wirksamere. Wir arbeiten mit PERMA-Lead®: einem Ansatz der Positiven Psychologie, der Führung in konkretes, überprüfbares Verhalten übersetzt. Kein Wohlfühlprogramm, sondern ein Hebel – genau dort, wo Systeme unter Last kippen.
Was PERMA-Lead® ist – und warum wir damit arbeiten
PERMA-Lead® wurde vom Wirtschafts- und Organisationspsychologen Markus Ebner entwickelt, aufbauend auf dem PERMA-Modell von Martin Seligman, einem der Begründer der Positiven Psychologie. Die fünf Buchstaben stehen für Positive Emotionen (P), Engagement (E), Relationships/Beziehungen (R), Meaning/Sinn (M) und Accomplishment/Zielerreichung (A). Ebner hat diese fünf Faktoren auf Führung übertragen und mehrere standardisierte Messinstrumente dazu entwickelt.
Für uns als ehemalige Verwaltungsrichterinnen und Rechtsanwältinnen ist entscheidend: Der Ansatz ist evidenzbasiert, kein abstraktes Modell, kein Bauchgefühl. Er stützt sich auf eine breite Studienlage. Und – das sagen wir bewusst so deutlich – diese Forschung zeigt vor allem Zusammenhänge, keine einfachen Ursache-Wirkungs-Ketten. Ebner selbst betont, dass es sich überwiegend um Korrelationen handelt. In einer Untersuchung mit rund 2.500 Führungskräften etwa zeigte sich ein nahezu linearer Zusammenhang: Je stärker jemand nach PERMA-Lead®® führt, desto resilienter erlebt sich diese Person. Das ist ein belastbarer Hinweis darauf, wo Führung ansetzen kann.
Genau das passt zu uns und unserer Zielgruppe. Ein nachvollziehbares, in der Wirkung überprüfbares, strukturiertes Modell. Uns überzeugt kein hoch gegriffenes Versprechen, sondern eine nachvollziehbare Struktur, die sich einfach in den Führungsalltag integrieren lässt.
Die fünf Säulen – übersetzt in den Rechtsalltag
P — Positive Emotionen
Im juristischen Arbeitsalltag dominiert die Fehlersuche; das bringt die Arbeitsweise so mit sich. Führung darf hier bewusst einen Gegenpol setzen; nicht, indem sie Risiken kleinredet, sondern indem sie trotz hoher Haftungs- und Entscheidungsrisiken psychologische Sicherheit und eine offene Feedbackkultur etabliert.
Warum das mehr ist als Stimmungspflege, erklärt die Broaden-and-Build-Theorie der Psychologin Barbara Fredrickson: Positive Emotionen erweitern das momentane Denk- und Handlungsrepertoire – der Blick wird weiter, mehr Lösungswege geraten in Sicht. Aus diesen erweiterten Momenten bauen sich über die Zeit stabile persönliche Ressourcen auf: kognitive, soziale, psychische. Für den Rechtsalltag heißt das konkret: Wer in einem angstfreien Klima arbeitet, denkt breiter – und genau das braucht komplexe juristische Sacharbeit.
Dabei geht es gerade nicht darum, den Clown für die Mitarbeitenden zu spielen (auch wenn Spaß bei der Arbeit definitiv zu den positiven Emotionen gehört). Als Führungskraft für positive Emotionen zu sorgen, heißt z.B. Enthusiasmus, Freude, Interesse, Stolz und Inspiration zu fördern.
E — Engagement
Gute Führung setzt Menschen dort ein, wo ihre Stärken liegen. Im reinen Dienst nach Vorschrift oder in starren Kanzleihierarchien bleibt Potenzial oft ungenutzt: Menschen werden auf Stellen gesetzt, ohne sie je nach ihren Stärken zu fragen.
Klar ist – nicht jede und jeder kann ausschließlich das tun, was Spaß macht und den eigenen Stärken entspricht. Gleichzeitig lässt sich mit kleinen Anpassungen oft schon eine große Wirkung erzielen. Denn wie heißt es so schön: „Des einen Freud, ist des anderen Leid.“ Die Aufgabe, die die eine als lästige Pflicht erlebt, ist für den anderen genau das Richtige.
Wenn Richter:innen, Associates oder Servicekräfte ihre Kernkompetenzen einbringen, entsteht das, was die Positive Psychologie als Flow beschreibt: ein konzentriertes Aufgehen in der Aufgabe, in dem Anforderung und Können zusammenpassen. Für den Rechtsalltag heißt das konkret: die tech-affine Kollegin gestaltet die E-Akten-Einführung mit, der detailgenaue Kollege übernimmt die Schriftsatzprüfung – statt umgekehrt.
R — Beziehungen (Relationships)
Justiz, Verwaltung und Anwaltschaft sind Beziehungsarbeit. Das klingt zunächst vielleicht seltsam. Sieht man aber genauer hin, wird es klar: Menschen wenden sich mit ihren Anliegen an diese Berufsgruppen. Wir arbeiten als Jurist:innen für andere Menschen – nie im luftleeren Raum.
Beziehungen zeigen sich dabei auf mehreren Ebenen: im Team, im Mandat, im Umgang mit Bürger:innen und Beteiligten. Wo gegenseitige Unterstützung an die Stelle von Ellenbogenmentalität tritt, arbeiten Menschen erfolgreich zusammen – und bleiben.
Beziehungen pflegen heißt dabei nicht, ständig harmoniebedürftig zu sein oder Konflikten auszuweichen. Im Gegenteil: Erst Vertrauen macht es möglich, Konflikte offen auszutragen, ohne dass die Zusammenarbeit daran zerbricht.
M — Sinn (Meaning)
Kaum jemand studiert Jura ohne Idealismus – den Wunsch, für Gerechtigkeit zu sorgen, Menschen zu helfen, Dinge in Ordnung und Struktur zu bringen, oder etwas richtigzustellen.
Zwischen Formularen, Fristen und Aktenbergen gerät dieser ursprüngliche Sinn oft in Vergessenheit.
Wirksame Führung macht ihn wieder sichtbar. Nicht mit dem Verweis auf ein Leitbild an der Wand, sondern indem sie den konkreten Beitrag der einzelnen Arbeit benennt: Wofür war dieser Beitrag wichtig? Wem hat dieser Arbeitsschritt geholfen? Was trägt jeder und jede Einzelne zum Großen und Ganzen bei?
Denn wer den eigenen Beitrag erkennt, trägt Belastung leichter. Sinn ist kein weiches Extra – er ist das, was Menschen auch dann trägt, wenn der Aktenberg gerade nicht kleiner wird.
A — Zielerreichung (Accomplishment)
Verfahren dauern Monate, oft Jahre. Ein Urteil, ein Vergleich, ein abgeschlossenes Großverfahren – die großen, sichtbaren Erfolge sind im Alltag eher selten gesät. Umso länger fühlt sich die Strecke dazwischen an.
Führung nach PERMA-Lead® macht deshalb auch die erfolgreichen Zwischenschritte sichtbar: die ersten fehlerfrei digital bearbeiteten Akten, den abgeschlossenen Teilschritt, die gemeisterte erste Woche mit dem neuen System. Es geht dabei nicht um künstliches Schulterklopfen oder Fleißsternchen, sondern darum, echte Fortschritte bewusst zu markieren, statt sie im nächsten Termin untergehen zu lassen.
Denn jeder wahrgenommene Erfolg setzt Energie für das Nächste frei – gerade dort, wo das nächste große Ziel wieder weit entfernt liegt.
PERMA-Lead® in der Praxis:
Der Hebel, nicht das Programm
Die Einführung von PERMA-Lead® ist kein theoretisches Projekt, sondern gelebte Organisationsentwicklung. Der Ansatz entwirrt komplexe Systemkonflikte und übersetzt sie in klare Handlungsstrategien. Und er zwingt zur Ehrlichkeit über die Datenlage: Wir versprechen keine garantierten Ergebnisse. Wir zeigen, wo ein einziger Hebel die größte Wirkung für Ihr Team entfaltet.
PERMA-Lead® ist dabei kein isoliertes Führungsinstrument, sondern ein konkreter Baustein für die Weiterentwicklung von Führung und Kultur im Rechtswesen. Dazu gehören ebenso psychologische Sicherheit, tragfähige Zusammenarbeit und eine Kultur, die Lernen und Veränderung ermöglicht.
Ihr nächster Schritt
Möchten Sie wissen, wo Ihre Führung heute steht? Nutzen Sie unseren kostenfreien Selbst-Check für wirksame Führung:
Oder vereinbaren Sie ein persönliches, 45-minütiges Audit. Als ehemalige Verwaltungsrichterinnen und Rechtsanwältinnen kennen wir Ihre Strukturen von innen.
Die Köpfe hinter Robe & Resonanz
Wir verbinden juristische Professionalität mit psychologischer Tiefe.
Wir sind Sarah Kind und Dr. Franziska Haberl.
Uns verbindet ein ungewöhnlicher beruflicher Weg: Wir waren Verwaltungsrichterinnen, arbeiten heute als Rechtsanwältinnen und begleiten Organisationen als Coaches und Beraterinnen in Führung, Zusammenarbeit und Veränderung.
Wir kennen die Justiz und den öffentlichen Sektor aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig erleben wir den Wandel des Rechtsmarkts heute in der anwaltlichen Praxis. Diese Perspektiven verbinden wir mit fundierter Expertise in Coaching, Führungskräfteentwicklung und Organisationsentwicklung.
Unsere Überzeugung ist einfach:
Organisationen verändern sich nicht durch neue Regeln allein. Sie verändern sich durch die Menschen, die in ihnen Verantwortung übernehmen.
Erfahren Sie mehr über unsere systemische Haltung und unseren Weg:
Quellen
Seligman, M. E. P. (2011): Flourish. A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being. Free Press, New York. — Ursprung des PERMA-Modells.
Ebner, Markus: Positive Leadership. Mit PERMA-Lead® erfolgreich führen. Erstauflage 2019, überarbeitete 2. Auflage 2024. — Entwicklung des PERMA-Lead®-Ansatzes.
PERMA-Lead®.com — offizielle Modell-Website von Markus Ebner.
Interview mit Markus Ebner in Wirtschaftspsychologie aktuell — Ebners Einordnung von Korrelation vs. Kausalität sowie die Studie mit rund 2.500 Führungskräften.
Fredrickson, B. L. (2001): The Role of Positive Emotions in Positive Psychology: The Broaden-and-Build Theory of Positive Emotions.
American Psychologist, 56(3), S. 218–226.